vom 13.03.2015

Auszeichnung in den Deutschen Bundestag

Ende Januar nahmen Meike Schlottau und Anna Schulz vom Goethegymnasium Ludwigslust als Auszeichnung für ihr Engagement an der Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages und der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus teil. Die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie Mecklenburg-Vorpommern e.V. (RAA MV e.V.) hatte sie als Vertreterinnen des Bundeslandes nominiert, weil sie sich durch ihren hohen Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung besonders hervorgetan hatten. Immerhin waren sie schon 2013 federführend dabei, das Goethegymnasium zum Titel von Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage zu führen.

image.jpg Gemeinsam mit 80 Jugendlichen aus verschiedenen Ländern gingen Meike Schlottau und Anna Schulz vom Goethegymnasium Ludwigslust auf die Reise, besuchten das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau in Polen, beschäftigten sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde Oświęcim und mit den damaligen Plänen des Umbaus zur deutschen "Musterstadt". Als Höhepunkt stand am Vorabend der Gedenkstunde eine Diskussionsrunde mit dem Auschwitz-Überlebenden Marian Turski, einem polnischen Journalisten, dem Bundespräsidenten Joachim Gauck und dem Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert auf dem Programm. Bewegt erzählen sie von der erlebnisreichen Reise: „Die ungeheure Anzahl von Menschen, die in dem Konzentrationslager Auschwitz leben mussten und zumeist umgebracht wurden, lässt sich einfach nicht fassen“, berichtet Meike. „Durch die Geschichte einer damals Gleichaltrigen bekam ich einen Zugang dazu.“ Besonders eindrücklich für Anna war der Kontrast zwischen einem in der Ausstellung gezeigten Film über das Familienleben vor der Deportation und den Blick auf das Lager. „Selbst die Kinder waren in den von Häftlingen errichteten Holzbaracken untergebracht, die dem Bau von Pferdeställen entsprachen. Nur die verblichenen Kinderzeichnungen an den Wänden erinnerten daran. Nicht vorstellbar, dass diese Kinder zuvor in einer glücklichen Familie lebten. “ „Nicht vorstellbar“ oder „unfassbar“ - das waren die wenigen Worte, mit denen die beiden Mädchen ihre Eindrücke überschrieben. In kleineren Gruppen konnten sie sich am Abend über ihre Erlebnisse und Empfindungen austauschen. Das empfanden Meike und Anna als entlastend, unter anderem auch, weil Jugendliche anderer Länder ihre Gedanken teilten. Der Deutsche Bundestag und das sich anschließende Zusammentreffen mit dem Bundespräsidenten Gauck hatte sie dann noch in besonderer Weise beeindruckt: „Wir waren ja ohnehin schon sehr aufgeregt und am Vorabend darauf vorbereitet worden“, schildert Meike. „Die Begegnung mit ihm, wie er so normal durch die Tür kam und uns so menschlich gegenüber saß und sprach, war dann doch nochmal was anderes.“ In den Ausführungen von Marian Turski erfuhren die Jugendlichen, dass das Schwerste im Lager nicht nur der Hunger und die Kälte waren, sondern auch die Demütigung, die er als Mensch jüdischer Religion erleben musste. Beide konnten nicht viele ihrer Fragen in der Diskussionsrunde unterbringen, aber in ihrem Motiv, sich auch heute noch gegen Rassismus und Diskriminierung auszusprechen und dagegen aktiv zu werden, sind sie in diesen Tagen auf jedem Fall bestärkt worden. „Es war gut, sich der NS-Zeit einmal aus der Sicht eines anderen Landes am konkreten Ort zu erinnern“, fasst Meike zusammen. Sie wünscht sich künftig eine gezieltere Aufmerksamkeit, die das Thema mit aktuellen Bezügen verbindet und für sie und nachfolgende SchülerInnengenerationen vorstellbar macht. Für Anna ist eine Verleugnung des Holocaust durch Neonazis im Hier und Jetzt nicht nachvollziehbar. „Wir wollen darüber erzählen und damit ein Zeichen gegenüber der Intoleranz setzen, der wir auch heute noch begegnen.“ Mit Meike und Anna am 12.03.2015 im Gespräch, Katrin Schulz, Landeskoordination Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage MV

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